Der Computer in MATRIX

Die Entwicklung von sich stetig verbessernden technischen Hilfsmitteln führt dazu, dass Maschinen, oft Computer, Aufgaben übernehmen, die ursprünglich durch geistige und körperliche Fähigkeiten des Menschen gelöst wurden. Einhergehend mit dem regelmäßigen Einsatz von Computern im Alltag in den 70er Jahren war es nur eine Frage der Zeit bis sich auch die Filmindustrie diesem Thema widmet. Filme wie TRON , 2001: A SPACE ODYSEE oder DER TERMINATOR haben sich ausgiebig mit den Fragen, Visionen und Ängsten beschäftigt, die mit einer Computerisierung der Welt auftreten (können). Von 1999 bis 2003 erschufen Laurence Wachowski und Andrew Wachowski die Filme MATRIX, MATRIX RELOADED und MATRIX REVOLUTIONS, welche eine Zukunftsvision darstellen, in der Computer eine zentrale Rolle spielen. Diese soll im Folgenden genauer erläutert werden.


Die Matrix

Was ist die Matrix? Eine Frage, die besonders im ersten Teil der Trilogie aufgegriffen wird. Die Matrix ist eine von Maschinen generierte Traumwelt. Nachdem die Menschheit zu Beginn des 21. Jahrhunderts die künstliche Intelligenz (K.I.) erfand, entwickelten die Maschinen ein Eigenleben und richteten ihre Fähigkeiten, die zunächst als Hilfsmittel für die Menschheit gedacht waren, gegen die Menschen, wodurch ein Krieg zwischen ihnen entfacht wurde. Eine Mehrzahl der Maschinen bezog ihre Energie durch Solartechnologie. Um dem entgegen zu wirken, verdunkelten die Menschen den Himmel, sodass die Maschinen an Energiemangel leiden und untergehen würden. Im Gegenzug erkannten die Maschinen jedoch, dass die Menschheit selbst der perfekte Energielieferant war. Um diese Energie für sich zu gewinnen, erschufen sie ein Computersystem, das sowohl die Körper, als auch das Nervensystem der Menschen an weitere Maschinen ankoppelte, wodurch „alle Wahrnehmungen, alle Empfindungen […] von Computern in den Gehirnen der Menschen erzeugt [werden], die diese Bilder für wahr halten“, womit eine Scheinrealität, die Matrix, geschaffen wird.

Ein diesbezüglich interessanter Aspekt, der hier kurz angedacht, aber nicht weiter ausgeführt werden soll, ist die Thematisierung der anthropologischen Medientheorie, die unter anderem besagt, dass der Mensch ein Mängelwesen ist und zur Kompensation technische Hilfsmittel, Medien, darunter Computer, herstellt. Die Wachowski-Brüder kehren dies in MATRIX in gewisser Weise um. Zwar ist der Mensch nach wie vor ein Mängelwesen, nicht zuletzt auf Grund der Tatsache, dass er an einen Computer angeschlossen sein muss, um die Matrix betreten zu können, jedoch fungiert er auch als technisches Hilfsmittel. Im Umkehrschluss wird auch die Maschine, der Computer, zum Mängelwesen, da er vom Menschen als Energielieferant abhängig ist.

Der Computer in MATRIX

Künstliche Intelligenz

Ebenso wie in anderen Filmen, die sich mit dem Phänomen des Computers beschäftigen, befassen sich die Wachowski-Brüder in MATRIX mit der Frage: Was könnte passieren wenn Computer „Verstand in dem Maße [besitzen], dass sie unabhängig vom Willen ihrer Programmierer oder Besitzer Entscheidungen über sich und ihre Umwelt gefällt haben”? Die Rede ist hier von einem intelligenten Computer, einem „Elektrogehirn“, das sich seiner Existenz und über die Folgen seiner Handlung bewusst ist. In der MATRIX-Trilogie führt die Erfindung einer solchen K.I. zum Beginn der Versklavung der Menschheit.

Virtualität, Wirklichkeit und Kontrolle

Um das volle Potential der menschlichen Körper ausschöpfen zu können, entwickeln die Maschinen die Matrix. Eine softwarebasierte Realität, also eine virtuelle Realität, die sich für die angeschlossenen Menschen wie die Realität anfühlt. Auch hier gehen die Wachowski-Brüder einmal mehr auf ein beliebtes Thema der Computerfilme ein: Die Differenzierung zwischen Realität und Virtualität. So steht beispielsweise in EXISTENZ die Unterscheidung zwischen Realität und Virtualität im Computerspiel zum Diskurs. Meist geht es darum, dass während des Medienkonsums der Rezipient nicht mehr zwischen real und virtuell unterscheiden kann. In der Matrix-Trilogie geht man noch einen Schritt weiter. Denn die Menschheit ist sich der Tatsache, dass es eine zweite, eine echte, Realität gibt, nie bewusst gewesen. Nur wenige Ausnahmen, darunter der Widerstand, angeführt von Morpheus, und die Bewohner der letzten Menschenstadt Zion sind über die Kontrolle der Computer über den Großteil der Menschheit informiert. Jene Kontrolle, oder vielmehr der Kontrollverlust, ist seit je her Bestandteil vieler Computerfilme. In MATRIX wird das Thema Kontrolle auch auf einer anderen Ebene angesprochen – auf der Ebene der Entscheidung. In Verbindung mit dem so genannten Schicksal ist sie eine wesentliche Konstante in der Geschichtserzählung der MATRIX-Filme. Während die Maschinen lediglich ihrer Programmierung folgen, so können die Menschen ihre Aktionen und Reaktionen mit Bedacht wählen. Insbesondere durch den Dialog zwischen Neo und dem Architekten, dem Erschaffer der Matrix, in MATRIX RELOADED wird dies deutlich.


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Der Dialog zwischen Mensch und Maschine

Hinzu kommt, dass in den meisten Computerfilmen der Computer an einen Punkt gelangt, an dem er derjenige ist, oder zumindest ist er der Ansicht, dass er derjenige ist, der entscheiden kann, was gut und was schlecht ist. Während man es in COLOSSUS – THE FORBIN PROJECT beispielsweise mit einem Computer zu tun hat, der sich zunächst mit Hilfe eines Textfeldes und später einer Stimme verständigen kann und seine Wünsche oder Befehle äußert, bietet die von den Maschinen erstellte Matrix, die Simulation der Realität, dem Computer die Möglichkeit visuell – in seinem Erscheinungsbild gleichwertig – mit dem Menschen in Kontakt zu treten.

Als menschgewordene Maschinen fungieren in der MATRIX-Trilogie Agent Smith und weitere Agenten. Sie verkörpern innerhalb der Matrix einen Teil der Kontrollinstanz. Agent Smith ist zunächst nur ein von den Maschinen produziertes Programm, dessen Aufgabe es ist, den Widerstand zu zerschlagen. Durch die Vernetzung innerhalb des Systems ist es ihm möglich an Stelle jedes angekoppelten Menschen zu treten, was ihm in der Verfolgung seiner Widersacher einen enormen Vorteil bringt. Hinzu kommt, dass er, bedingt durch seine Programmierung, übermenschliche Fähigkeiten besitzt, die es ihm beispielsweise ermöglichen Pistolenkugeln auszuweichen. Auch hier ist erneut zu erkennen, dass das Thema Kontrolle und Kontrollverlust ein zentraler Aspekt der MATRIX-Trilogie ist. Denn durch seine Fähigkeiten ist Agent Smith den Menschen in der Matrix grundsätzlich überlegen. Zum einen auf der körperlichen Ebene und zum anderen auf der geistigen Ebene: Die Tatsache, dass Agent Smith sich über die Existenz der Matrix bewusst ist und der Fakt, dass er keinen Schaden nehmen beziehungsweise nicht sterben kann, stellen einen enormen Vorteil für ihn dar und zeigen die drastische Überlegenheit gegenüber den Menschen in der Matrix deutlich.

Schluss

Die MATRIX-Trilogie beschäftigt sich intensiv mit dem seit den 70er Jahren immer stärker auftretenden Phänomen der Computerisierung. Die Wachowski-Brüder schaffen ein Zukunftsszenario, in dem Mensch und Maschine sowohl in der Realität, als auch in der virtuellen Welt, der Matrix, Krieg führen. Mit Themenkomplexen wie künstliche Intelligenz, Kontrolle, Kontrollverlust und Wirklichkeit versus Virtualität werden dabei klassische Computerfilm-Szenarien aufgegriffen und zur Diskussion gestellt. Darüber hinaus wird stetig mit der dominierenden Frage des Science-Fiction-Genres gespielt: Was wäre wenn …?


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Literaturverzeichnis

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Autor: Christian Kresse
Publikationssdatum: 19.11.2010
Publikationsort: Privat/Universität
Anmerkung: Dieser Text entstand als Hausarbeit im Zuge des “Basismodul 2: Medien- und Kulturtheorie – Kurs: Der Computer als neues Medium ” im Studiengang Medienkulturwissenschaften/Medienrecht 1-Fach-Verbund (BA) im 2. Fachsemester an der Universität zu Köln – Note: 2,0 – Bei Bedarf bin ich gerne bereit Interessenten die Hausarbeit im PDF-Format inklusive Fußnoten zukommen zu lassen. Anfragen bitte über die Kommentarfunktion äußern.

Kommentare

  1. Manu sagt:

    Hallo Herr Kresse,

    ich würde mich freuen, wenn sie mir eine Kopie ihrer Arbeit ” Computer in der Matrix” zukommen lassen könnten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Manuel Dech

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