Einführung in die Medienkulturwissenschaft

Die hier aufgeführten Kurztexte sind eine Art Brainstorming zu verschiedenen Themen im Bereich der Medienkulturwissenschaft. Sie sollen lediglich als Orientierungshilfen dienen und haben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Entstanden sind die Texte als Lernhilfe für die Klausur der Ringvorlesung “Einführung in die Medienkulturwissenschaften” an der Universität zu Köln.



Anthropologische vs. technikzentrierte Medientheorie

Die anthropologische Medientheorie ist eine von diversen medienwissenschaftlichen Theorien, die sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Medium beschäftigt, wobei sie Medientechnik als Ergebnis oder als Mittel menschlichen Handelns sieht.

Vertreter dieser Theorie betrachten den Menschen als ein Mängelwesen, der versucht seine von Natur aus beschränkten Möglichkeiten durch Medien zu erweitern oder zu beheben. Diese Kompensation kann sich nach Arnold Gehlen, seines Zeichen Philosoph und Soziologe,  zum einen durch das Erschaffen von Werkzeugen oder Techniken, zum anderen aber auch durch physische und psychische Entlastung ausdrücken. Als Beispiel sei hier die Erfindung des Rades genannt, welche es dem Menschen möglich machte seine Bewegungsgeschwindigkeit rapide zu erhöhen und darüber hinaus keine körperliche Anstrengung zu beanspruchen.

Als bedeutender Verfechter der anthropolgischen Medientheorie gilt Marshal McLuhan, welcher mir der Veröffentlichung seines Textes “understanding media – the extension of men” maßgeblich zum Mediendiskurs beigetragen hat. Auch er teilt die Ansicht, dass Medien als Kompensat menschlicher Mängel und als extensions , also Auslagerungen oder Erweiterungen, fungieren. Er beschreibt diesen Vorgang als Selbstamputation. Eine weitere wichtige Erkenntnis McLuhans ist die Narkotisierung des Nutzers, welcher das Medium gar nicht mehr als solches wahrnimmt.


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Mit seiner wohl berühmtesten Aussage ” the medium is the message” bezieht er jedoch ebenso einen technikzentrierten Standpunkt. Im Zuge dieser Aussage bezeichnet McLuhan den Inhalt eines Mediums als nebensächlich. Das Medium selbst, so McLuhan, stehe im Vordergrund und der Inhalt diene lediglich als Köder. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er die Rolle der Wirkungquelle ebenfalls dem Medium, und nicht dem Inhalt, zuschiebt. Als Beispiel nennt er den Buchdruck, welcher wichtiger als der der Inhalt des Buches sei. Darüber hinaus stellt McLuhan heraus, dass Medien immer auf andere Medien verweisen. So verweise der Buchdruck beispielsweise auf die Handschrift.

Weiterhin unterscheidet McLuhan zwischen kalten und heissen Medien. Letztere sind für ihn solche, die ein hohes Maß an Detailreichtum besitzen und bei denen der Rezipient nur zur geringfügigen  Beteiligung gezwungen wird. Als kalte Medien bezeichnet er solche, die dem Zuschauer ein gewisses Maß an Beteiligung und Aktivität abverlangen. Als Beispiel für ein kaltes Medium nennt McLuhan das Fernsehen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass McLuhan zu Zeiten gelebt hat, in denen die Fernseh-Technologie bei weitem nicht so qualitativ hochwertig ist wie heute. So ist nach heutiger Sicht, in den Zeiten von High-Definiton, sicherlich auch das Fernsehen ein heisses Medium im Sinne McLuhans. besitzen, so dass der Benutzer nur zu einer

André Leroi-Gourhan ist Kulturanthropologe und ebenfalls der anthropologische Medientheorie zuzuordnen. Auch er sieht in Medien mögliche Kompensationen menschlicher Mängel, unterscheidet jedoch, im Vergleich zu McLuhan, zwischen Medien und Technik bzw. zwischen Exteriorisierung und Auslagerungen menschlicher Tätigkeiten. Als Vorraussetzung für diese beiden Phänomene nennt er den aufrechten Gang des Menschen, welcher zu diversen Entwicklungen des menschlichen Körpers führt und somit das Freiwerden der Hand ermöglicht, was widerum dazu führt, dass Aktivitäten, wie zum Beispiel das Jagen von Tieren oder ähnlichem mit Hilfe von Werkzeugen (=Techniken), wie Steine oder Pfeile, neuartig ausgeführt werden können. Leroi-Gourhan bezeichnet diesen Prozess als “Ausschwitzen”. Bedingt durch diese Entwicklung befreit sich der Mensch von seinen genetischen Zwängen und schafft somit neue Systeme, wie zum Beispiel das soziale Gedächtnis oder ethnische Gruppen. Einher mit dieser Entwicklung geht auch die Eigenbewegung der Technik, die nach Lerou-Gourhan bereits in der Steinzeit beginnt. Zwar ist sie vom Menschen in das Leben gerufen worden, jedoch hat er nicht die gesamte Macht und Kontrolle über sie, wodurch er jederzeit von ihr überholt werden kann.

Neben der anthropologischen Medientheorie gibt es auch Medienwissenschaftler, die das Verhältnis zwischen Mensch und Medium von einem technikzentrierten Ausgangspunkt aus betrachten. Jene sehen Medientechnik als eine Determinante menschlichen Verhaltens und stellen ihre steuernde und prägende Wirkung heraus.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Materialität des Mediums aus technikzentrierter Sicht im Vordergrund steht. Medien werden als autonome Objekte wahrgenommen , bestimmen die Lage des Menschen und entstehen apriori, also aus sich selbst heraus. Zwar beschäftigt sich diese Theorie mit der Abhängikeit zur gesellschaftlichen Interdependenz von Mensch und Medium, allerdings lässt sie den Entstehungsprozess jener Medien außer Acht. Man geht von immer schon konstituierten Techniken aus und fragt nach deren Wirkung, die, im Gegensatz zur anthropologischen Sicht, der materiellen Welt zugeschrieben werden können und somit untersucht werden können.

Ein Medienwissenschaftler, der überwiegend der technikzentrierten Medientheorie zugeordnet werden kann, ist Jonathan Crary. Seiner Auffassung nach entstehen Techniken aus  gesellschaftlichen Diskursen. Darüber hinaus begreift er Medien von vornherein als technische Korrelate, also Medien, die auf einander bezogen sind. Als Beispiel kann hier die camera obscura verwendet werden. Sie bewirkt, dass das Auge, das natürliche Medium des Sehens, durch ein neues Medium maßgeblich beeinflusst wird, in mancher Hinsicht gar bestimmt wird. So kann der Benutzer lediglich die Dinge sehen, welche ihm erlaubt werden zu sehen. Eine gegensätzliche Steigerung wäre das Stereoskop, welches als Medium das Sehen auf viele Arten beeinflussen, aber insbesondere erweitern kann. Als weiteres Beispiel für die Wirkung von Technik gibt Crary das die Fließbandarbeit, welche durch eine hohe Schnittfrequenz im Film konditioniert werden könne.

Stellt man die beiden Theorien einander gegenüber, so ist festzustellen, dass sie von zwei unterschiedlichen Ausgangspunkten ausgehen. Die anthropologische Medientheorie macht ihren Ansatz beim Menschen und sieht Medien als dessen Resultat. Die technikzentrierte Medientheorie setzt ihren Ausgangspunkt bei den Medien selbst und untersucht deren Wirkung auf den Menschen. Fraglich ist unterdessen, ob man beide Theorien voneinander getrennt sehen kann. Hartmut Winkler plädiert beispielsweise dafür, dass man sie nur bedingt getrennt sehen kann, da beide Ansätze miteinander verschränkt sind und sich gegenseitig ergänzen und bedingen, so dass Winkler vorschlägt das Verhältnis der beiden Theorien als zyklisch zu bezeichnen.

Systemtheorie

Die Systemtheorie, deren bekanntester Vertreter wohl Niklas Luhmann ist, befasst sich im Kern mit dem Begriff der Kommunikation, differenziert diesen und zeigt auf, warum Kommunikation unwahrscheinlich ist.

Um sich dem Ganzen zu nähern, differenziert Luhmann zunächst zwischen Verbreitungsmedien und Erfolgsmedien. So bezeichnet er Geld, Macht und Liebe als Erfolgsmedien, die dazu dienen, unwahrscheinliche Kommunikation in wahrscheinliche Kommunikation zu transformieren. Verbreitungsmedien haben hingegen die Funktion Kommunikation unter Abwesenden zu ermöglichen. Luhmann zählt zu den Verbreitungsmedien auch den Begriff der Massenmedien, definiert ihn jedoch sehr allgemein: “Ein Massenmedium ist ein Medium, das die massenweise Verbreitung von Wissen in ganz allgemeiner Form ermöglicht”.

Um sich dem Begriff der Systemtheorie zu nähern, setzt Luhmann voraus, dass es Systeme gibt. Er unterscheidet zwischen vier Systemen: Maschinen, biologische Systeme, psychische Systeme und soziale Systeme. Aufbau und Funktionsweise eines Systems hängen dabei von dem Standpunkt des Betrachters ab. Desweiteren bezeichnet er all das, was nicht zu dem jeweiligen System gehört als Umwelt. Betrachtet man also das soziale System, so bilden die anderen drei Systeme die Umwelt. Eine weitere Besonderheit der Systemtheorie ist, dass sie auf Grund der oben genannten Differenzierung zwischen Systemen davon ausgeht, dass das soziale System nicht aus Menschen besteht. Denn würde das soziale System aus Menschen bestehen, so wäre es ein biologisches System. Deshalb definiert Luhmann ein Sozialsystem als ein System, das entsteht, wenn sich Kommunikation aus Kommunikation entwickelt. Ein soziales System besteht folglich aus Kommunikation.

Dabei handelt es sich bei dem sozialen System um ein auto-poietisches System, welches seine einzelnen Elemente aus bereits bestehenden Elementen reproduziert, wobei das Endprodukt mehr als nur die Summe seiner Elemente ist.

Ferner muss man, wenn man die Systemtheorie betrachtet, den Kommunikation-Begriff differenzieren. Er besteht laut Luhmann aus drei Teilen: Information, Mitteilung und Verstehen.

Die erste Ebene, die Information, stellt dabei eine Größe dar, die nur im Sozialsystem zu finden ist. Denn der Inhalt der Information, der Informationswert, ist Teil der Umwelt und zunächst nicht von Belang für das Sozialsystem. Entscheidet sich das System jedoch dazu, den Informationswert als eine Störung im Sinne von “relevant für das System” zu empfinden, so ist er ein Grund zur Kommunikation. Als zweite Ebene wird die Mitteilung aufgeführt. Diese kann in unterschiedlichster Weise auftreten und ist daher sehr manigfaltig. Systemtheoretiker bezeichnen dies als Selbstreferenz der Kommunikation. Verstehen ist die dritte und letzte Ebene. Sie ist die Komponente, die den Prozess einer erfolgreichen Kommunikation abschließt. Aber auch hier hat man, ähnlich wie bei der Mitteilung, ein hohes Maß an Möglichkeiten, wie verstanden wird – oder noch viel wichtiger: Ob verstanden wird.

Aus diesem Grund geht die Systemtheorie erst einmal davon aus, dass Kommunikation unwahrscheinlich ist. Zum einen ist nicht Gewiss, dass die Mitteilung verstanden wird. Dies ist beispielweise der Fall wenn die Information das Wissen des Empfänger überschreitet und er keinen Schluss aus der Mitteilung ziehen kann. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Mitteilung den Empfänger erreicht, ebenso unwahrscheinlich, insbesondere bei Kommunikation unter Abwesenden. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass räumliche Differenzen das Erreichen unmöglich machen oder aber auch die mangelnde Aufmerksamkeit des Empfängers dem entgegenstehen. Zu guter Letzt sei noch der Erfolg der Kommunikation aufgeführt. Auch er ist, besonders in Bezug auf Massenmedien, unwahrscheinlich. Denn je mehr Empfänger es gibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Kommunikation erfolglos ist. Hinzu kommt, dass nicht der Mensch, sondern die Kommunikation kommuniziert. Sie handelt autonom und bedient sich der Sprache, Gestik und Mimik.

Serialität in Medien

Wenn der Otto-Normal-Verbraucher von Serie spricht, so meint er in der Regel TV-Serien. Obwohl diese ohne Zweifel die Königsdisziplin der heutigen Serien darstellen, ist festzuhalten, dass es Serialität zum einen in Unmengen von Disziplinen gibt, zum anderen unterschiedliche Auffassungen von Serialität bestehen.

Um sich mit diesem Thema genauer zu beschäftigen, muss zunächst geklärt werden, was Serialität ist. Nach Christian Junklewitz und Tanja Weber besteht eine Serie, dessen Ursprungsbedeutung Reihe(nfolge) oder Kette bedeutet, aus zwei oder mehr Teilen, die durch eine gemeinsame Idee, ein Thema oder ein Konzept zusammengehalten werden und in allen Medien vorkommen können. Diese können durch gemeinsame Figuren, Handlungen, Zeitstruktur, Setting, Titel oder interserielle Koharenz gekennzeichnet sein. So kann eine Serie auch in der Malerei, wie bei den Heuschuber-Bildern, oder in der Architektur gesehen werden – Ebenso aber auch in der Tagesschau. Zudem kann man zwischen fiktionalen und non-fiktionalen Serien differenzieren.

Darüber hinaus bemächtigt sich Serialität diverser Hilfs- bzw. Stilmittel. Neben der Intertextualität ist hier der Cliffhanger zu nennen. Ein Cliffhanger bezeichnet das Ende eines Aktes, wobei dieser Akt in seinem Höhepunkt endet und in der Regel beim Zuschauer oder Leser die Frage aufwirft: Wie geht es weiter? Es findet also eine intendierte Unterbrechung der Narration statt, welche das Interesse steigern soll. Jenes Stilmittel wurde bereits in der Vergangenheit bei Fortsetzungsromanen in Tageszeitungen verwendet, um die Auflage zu steigern oder um sich Abonnement-Kunden zu erhalten.

Generell unterliegt die Serie drei Bedingungen: Erstens muss eine ökonomische Konurrenzsituation herrschen. Zweitens muss die notwendige Medientechnologie vorhanden sein, um eine Verbreitung möglich zu machen. Diese Verbreitung findet im Idealfall in Massenmedien statt, wo Massenrezeption gewährleistet ist. Zu guter Letzt muss es sich bei der Serie um ein Produkt handeln, das sich verkaufen lässt.

Weiterhin ist anzumerken, dass die Serie insbesondere für das Medium Fernsehen charakteristisch ist und durch gezielte Programmkoordinierung und Programmierung eine Serialität erzeugt werden kann oder sie zumindest unterstützt. Einen wesentlich Anteil an dieser Koordinierung attestieren Medienwissenschaftler dem Flow. Der Flow ist ebenso wie der Cliffhanger ein Stilmittel und wird im Fernsehen dazu genutzt, den Rezipient möglichst lange an das Programm zu binden. Dabei wird auf weitere Mittel wie vertikale oder horizontale Programmierung zurückgegriffen.

Wie alle medienwissenschaftlichen Themen steht auch der Begriff der Serie im öffentlichen Diskurs. So wirft unter anderem Theodor W. Adorno der Serialität vor, sie sei kapitalistisch. Besonders die oben aufgeführte Bedingung, dass es sich bei der Serie um ein verkaufbares Produkt handeln muss, unterstützt diese These. Andere werfen der Serie minderwertige Ästhetik vor, da es ihr durch ihre stetige Wiederholung und Ahnlehung an bereits vorhandene Themen, Handlungen oder ähnlichem an Innovation fehle, die ein bedeutendes Charakteristika für Kunst sei.

Genre und Gender

Die filmwissenschaftliche Genretheorie

Genre entstehen mit dem narrativen Film ab 1910 und übernehmen zunächst etablierte Gattungsbegriffe, bevor sich zunehmend filmspezifische Genrekategorien, darunter unter anderem der Western, entwickeln. In den 1960er Jahren lösen sie den Auteur als Leitkonzept ab und ermöglichen erstmals eine Beschäftigung mit dem Medium Film ohne normativ-ästhetische Vorgaben und seit der Jahrtausendwende herrscht ein neues Interesse an Genre. Die Idee, die hinter den Genres steckt, ist eine klare Kategorisierung von Produkten, die sich durch bestimmte Codes auszeichnen. Das Problem, das mit der Einführung der Genres einher geht, ist die Tatsache, dass die meisten Filme nicht nur einem, sondern gleich mehreren Genres zugeordnet werden kann. Die Medienwissenschaft spricht in solchen Fällen von einer Hybridisierung.

Von diesem Problem mal abgesehen, werden Genres auf diverse Arten genutzt und erwecken unterschiedliche Erwartungen. Einerseits werden sie als Vermarktungskategorie verwendet. Als Beispiel ist hier der Filmtrailer zu nennen, der dem Betrachter bereits einen Vorgeschmack auf den eigentlichen Film gibt. Sollte der Trailer Genreinhalte vermitteln, die den Film nicht repräsentieren, so wäre es kontaproduktiv für die Vermarktung des Films. Weiterhin werden Genre als Orientierungshilfe genutzt. So kann sich ein Zuschauer beispielsweise gegen einen Horrorfilm entscheiden, da ihm dessen Merkmale (z.B.Gewalt und Spannung) nicht zusagen und stattdessen einen Comedy-Film wählen. Darüber hinaus dienen Genres als simples Diversifikation-Mittel für Inhalte von Filmen.

Hervorzuheben ist, dass Genres zudem keine stabilen oder festgelegten Kategorien bilden, sondern immer dem historischen Wandel unterliegen. So ist beispielsweise ein Horror-Film aus den 1950er Jahren heutzutage wohl viel weniger, oder gar nicht, diesem Genre zuzuordnen. Ebenso gilt ein Genre nicht als essentialistische Kategorie für einen Film, sondern realisiert sich in jedem Film neu.

Gender-Studies

Einher mit dem Genre gehen die Gender-Studies. Die Begründung ist plausibel: Beide befassen sich mit Kategorisierungen, wie auch schon der Prefix “gen” deutlich macht. Gender-Studies interessieren sich für die kulturellen Konsturktionsmechanismen von “Weiblichkeit” und “Männlichkeit” und versuchen zu zeigen, wie es zu solchen Rollen kommt und welche Erwartungen daraus entstehen. Ferner unterscheiden die Gender Studies zwischen dem biologischen Geschlecht (=sex) und dem sozial konstruierten Geschlecht (=Gender). Letzteres ist, im Gegensatz zu sex, nicht von Anfang an festgelegt, sondern wird durch diverse Einflüsse konstruiert. Eine Frau wird demnach nicht als solche geboren, sondern zu einer gemacht. So sieht Judith Butler, Vertreterin der Gender Studies, im Handeln von “Mänlichkeit” und “Weiblichkeit” lediglich eine Inszenierung, einen performativen Akt. Ebenso wie das Genre soll auch Gender als antiessentialistisch verstanden werden. Denn beide unterliegen bestimmten Faktoren/Bedingungen, die sie am Ende als Genre-Produkt hervorbringen.

Geschichte des Fernsehens

Will man Fernsehgeschichte niederschreiben, so ist zunächst eine nähere Definierung dieser zu leisten. So kann man sich beispielweise mit der technologoischen, institutionellen oder sozialen Geschichte des Fernsehen befassen (Weitere: Rechtsgeschichte, Mediengeschichte, Programmgeschichte, Rezeptionsgeschichte). Auch der zeitliche Rahmen in dem diese zu untersuchen sind, muss festgelegt werden.

Betrachtet man zum Beispiel die Institutionsgeschichte des Fernsehens in Deutschland, so kann man als Ausgangspunkt die Gründung der ARD im Jahre 1950 nehmen. Zehn Jahre später erblickte das ZDF die Welt des Fernsehens und ein Jahr später folgten die dritten Fernsehprogramme. 1982 begann der Bau des Kabelpilotprojekts und 1984 wurde der erste Privatsender Sat1 gegründet. Darauf folgten zahlreiche weitere Sender.

Ebenso kann man sich der Geschichte des Fernsehens auf technologischer Ebene nähern. Einer der wichtigsten Zeitpunkte für diese Geschichte ist wohl die Erfindung der Braunschen Röhre im Jahre 1879, aber auch die Erfindung der Nipkow-Scheibe 1884.

Weiterhin kann man Fernsehgeschichten in ihrem Zusammenhang untersuchen. So hängt insbesondere das Verhalten der Gesellschaft, also die Sozialgeschichte, von der technologischen Entwicklung ab. In mancher Hinsicht bedingen sie sich sogar gegenseitig. Ein Beispiel für diesen Zusammenhang von Geschichten bringt auch die Geschichte des Fernsehen mit sich: So war das Fernsehen zunächst eine Idee, die viele Personen unabhängig von einander hatten, welches versucht wurde umzusetzen. Es wurden Institutionen gegründet und die Technik wurde weiterentwickelt. Bis dato war Fernsehen als kulturelles Modell noch nicht in Erscheinung getreten, entwickelte sich jedoch immer mehr zu diesem. Nicht zuletzt auf Grund des 2. Weltkrieges, nach dem bei den Menschen eine Tendenz zur Verhäuslichung und ein Rückzug in das Private festgestellt wurde, stieg die Verbreitung des Fernsehens an. Hinzu kamen Faktoren wie das Wirtschaftswunder oder der Wunsch nach Live-Bildern, wie es zum Beispiel bei der WM 1954 der Fall war.

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