Simpsons vs. Family Guy & Co – Alles nur geklaut?

“Die SIMPSONS ist eine mitunter bösartige, hoch zynische Abrechnung mit dem ‚American Way of Life‘ und den Idealen des ‚American Dream‘. Viele Folgen stecken voller Anspielungen und sind gespickt mit Seitenhieben auf die US-amerikanische Alltagskultur. Und Groening nimmt sie alle aufs Korn – Fitness-Gurus, religiöse Eiferer, Waffennarren, Konsumverrückte, Fernsehjunkies, Fast-Food-Opfer, Fortschrittsgläubige, Spießer, Radikalfeministinnen und dergleichen mehr. Für Kinder nur bedingt empfehlenswert, für Amerika-Fans ein Muß!” schrieb Tim Schleider, Journalist der Süddeutschen Zeitung, im Jahre 1993 über die Erfolgsserie aus den USA. Heute, 17 Jahre später, sind die gelben Comichelden aus Springfield die erfolgreichste Comicserie der Welt und feierten Ende 2009 ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Geprägt durch Serien wie The FlinstonesThe Jetsons und mit dem Anspruch stetig die aktuellen Probleme und Ereignisse der Gesellschaft innerhalb der Serieplots darzustellen, können Matt Groening und sein Autorenteam weltweit ein Millionenpublikum begeistern.

Angezogen durch den Erfolg der Simpsons kommen neue Comicserien wie Family Guy, American Dad, Futurama oder South Park zum Vorschein und erklimmen die Prime Time Plätze der TVSender und verdrängen bis dato allseits beliebte Sendungen von ihren Sendeterminen. Aber was ist neu an diesen Serien von Seth MacFarlane, Matt Stone oder Dave Jeser?

Das Prinzip scheint das Gleiche zu bleiben: Ein übergewichtiger, dümmlicher und leicht zu manipulierender Hauptcharakter bringt sich und seine nächsten  Verwandten durch ebend jene Eigenschaften immer wieder in neue, nicht ganz alltägliche, Situationen. Zumindest für die Simpsons, Family Guy, Futurama und American Dad, scheint dieses Prinzip für steigenden Zuschauerquoten zu sorgen.

Simpsons-Fans begegnen diesem Trend oft mit Kritik. In Fan-Foren ist von “Diebstahl” und “(schlechten) Kopien” die Rede. Als Argument dient oft die Henne-Ei-Theorie, die sich mit der Frage beschäftigt, was zuerst da gewesen sei. Im Gegensatz zur Philosphie scheint im Fall der Comicserien die Antwort klar zu sein: So erhielt die Simpsons-Familie bereits 1989 Einzug in den Fernseh-Olymp. Family Guy & Co starteten erst 1993 oder später. Aus historischer Sicht scheint es, als würde man den Kritikern in die Karten spielen. Die Simpsons wurden als erstes Medium seiner Art veröffentlicht und der Rest der Welt zieht seine Inspirationen aus den gelben Springfieldern. Die Frage, inwiefern die Simpsons von Serienhits wie den Flinstones oder den Jetsons inspiriert wurden und einen Hype um Comicserien beeinflusst haben, sei hier für alle aufschreienden Kritiker in den Raum gestellt.


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Bleibt die Frage: Alles nur geklaut? Um die Antwort darauf vorweg zu nehmen – Nein! Denn bis heute sucht  man bei den Simpsons vergebens nach einem frühreifen, diktatorischen, egozentrischen und möglicherweise homosexuellen Einjährigen, dessen Ziel es ist, sich für immer und ewig seiner Mutter zu entledigen, die ihn an seinem Entwicklungsprozess und der damitverbundenen Weltherrschaft hindert, wie wir ihn mit Stewie Griffin in Family Guy sehen.  Auch findet man bei den Simpsons keinen CIA-Agenten, der einem Alien Unterschlupf gewährt, seine Familie vor jeglichen, noch so abstrusen, Gefahren beschützt und einen weltkriegsverherrlichenden Goldfisch sein Eigen nennt. Von einer Futurama-Welt in der Selbstmord-Telefonzellen an jeder zweiten Straßenecke stehen und sich die Bewohner der Erde über dubiose Röhrensysteme fortbewegen können ganz zu schweigen.

Weiterhin ist zu beachten, dass es sich bei all diesen Comic-Kunstwerke um postmoderne Fernseh-Serien handelt. Postmoderne Serien, die durch ihre Ironie, Fragmentisierung, Hybridisierung und enorme Unbestimmtheit geprägt sind und alte Ideen aufgreifen, rekombinieren und somit neue Bedeutungsebenen schaffen. Dass es sich bei den genannten Serien, darunter auch die Simpsons, nicht um die Neuerfindung des Rads handelt, sollte spätestens jetzt jedem Kritiker bewusst sein. Darüber hinaus muss auch der Aspekt der Wirtschaftlichkeit mit in Betracht gezogen werden. Denn zunächst einmal handelt es sich bei allen Fernsehserien primär um ein Produkt, das sich verkaufen soll. Die Käufer dieses Produkts sind die Mitglieder der Gesellschaft, die die Serien versuchen – manchmal grotesk, manchmal übertrieben, manchmal aber auch sehr realitätsnah – darzustellen. Die Idee, eine Fernsehserie auf die Bedürfnisse der Gesellschaft auszurichten, ist somit nur plausibel. Dass dabei auf die Präsentation der Durchschnittsfamilie mit ihren ganz individuellen Mängeln zurückgegriffen wird, scheint nicht weniger schlüssig zu sein. Allein die Logik zeigt, dass es sich natürlich um ähnliche Produkte handelt.

Was die Serien für sich jedoch einzigartig machen, sind die Verschiebungen der Prioritäten, die Auswahl der Inhalte und die Wahl der Stereotypen und deren Entwicklungen. So ist es bei den Simpsons nicht Gang und Gäbe, dass sich Homosexuelle, Pedophile, übertriebene Gewalt oder islamistische Terroristen in die Inhalte der Serie einfügen. Family Guy & Co. scheinen dort weniger Berührungsängste zu haben. Dort übermittelt Osama Bin Laden eine Videobotschaft, Bugs Bunny wird brutal ermordet, ein alter Tattergreis findet großen Gefallen an minderjährigen Jungen, ein Alien läuft in aufreizenden Frauenklamotten umher oder einer der Hauptcharaktere entscheidet sich spontan dazu seine Homosexualität in all seinen Zügen auszuleben. Es werden Grenzen überschritten, die man in Springfield nicht für möglich hält.

Und das ist gut so! Denn genau das ist es, was den Unterschied dieser Serien ausmacht. Nur so erhält der Zuschauer die Möglichkeit zu Selektieren, Differenzieren und individiuell zu Reflektieren. Die Diskussion, ob eine Serie nun geklaut ist oder nicht, ist müßig, da sich jede dieser Serien einzelner Fragmente bedient, die bereits x-fach in der Mediengeschichte angewandt wurden.


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Autor: Christian Kresse
Publikationssdatum:
20.12.2009
Publikationsort:
Privat
Anmerkung:
Dieser Text entstand im Zuge des “Ergänzungsmodul 1 – Die Simpsons – Anatomie einer Fernsehserie” im Studiengang Medienkulturwissenschaften/Medienrecht 1-Fach-Verbund (BA) im 1. Fachsemester an der Universität zu Köln

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Kommentare

  1. Klabund sagt:

    Schöner Artikel, aber zur Vollständigkeit solltest du noch erwähnen das Futurama auch von Matt Groening ist, also dem Erfinder der Simpsons. Dem dürfte man nämlich ohne weiteres eine Kopie seines eigenen Unikats vorwerfen. Ich denke jedoch, das Futurama schon zu Recht abgesetzt wurde. Sein Humor passt einfach nur zu den Simpsons, und hat im Weltall deplatziert gewirkt.

  2. Christian Kresse sagt:

    Danke für den Hinweis. Deine Meinung teilen viele. Allerdings bietet Futurama zich Änderungen gegenüber den Simpsons … Soll man da von Kopie sprechen?

  3. Alexandra sagt:

    Ich bin da ganz deiner Meinung, die ewige Diskussion ist doch nicht wirklich ernst zu nehmen. Nur weil sich viele Serien gewisser Klischees, so etwa dem übergewichtigem Amerikaner, bedienen, handelt es sich noch lange nicht um schlechte Kopien der Simpsons. Bei genauerer Betrachtung gibt es weitaus mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten und jede Serie deckt eine ganz bestimmte Zielgruppe ab. Der Humor der Simpsons ist dabei ein völlig anderer als der doch sehr viel ruppigere von Family Guy. Und das ist doch gerade das schöne, inzwischen gibt es im Bereich der Trickserien für Erwachsene so viele Varianten, dass ganz bestimmt für jeden etwas dabei ist.

  4. Emil P. sagt:

    Ein Artikel, der es auf den Punkt bringt. *thumbs up* ! Die Diskussion ist einfach so unnötig!

  5. Everflow sagt:

    Also ich mag eigentlich so gut wie alle Comedy Comic Serien… Ich find die Streitigkeiten in etwa so albern wie “Christina ist viel besser als Britney”, oder welche Fehden auch immer in der Popwelt gerade so am Laufen sind…

    Allerdings muss ich ganz verhemend Klabund widersprechen. Erstens läuft Futurama gerade wieder an und zweitens finde ich persönlich Futurama die beste von allen Serien. Wo Family Guy, Simpsons und Konsorten doch meistens nur die USA auf die Schippe nehmen, wird bei Futurama die ganze Menschheit verarscht! Außerdem ist es die einzige Serie dieser Art, die wenigstens ein bisschen die Zeit vorwärts laufen lässt und bei der nicht eine Lady über 7 Jahre langs schwanger ist…

    Allen gemeinsam ist: Man kann’s eigentlich nicht auf Deutsch anschauen – gerade Family Guy, Futurama und South Park sind so unglaublich schlecht synchronisiert und außerdem unglaublich schlecht übersetzt, dass sich wirklich meine Nackenhaare aufstellen, wenn ich’s mal zufällig auf Deutsch sehe. Da werden mitunter wirklich übersetzbare Witze einfach verhunzt, weil der Übersetzer (RIP – man soll ja eigentlich nicht schlecht von den Toten reden…) den Gag schlicht und einfach nicht verstanden hat… truarig, traurig…

  6. paul S. sagt:

    Es tut mir leid aber ich weiß nicht was ihr an Family Guy toll finden könnt.
    Die “Gags” sind total aus dem Zusammenhang gerissen.
    und es ist wohl eine schlechte Kopie der Simpsons, die dazu noch nicht mal lustig ist.
    bei Simpsons hat das klasse aber so nein danke.
    Stewie ist nur eine schlecht, übertriebene kopie von maggy.

  7. the truth sagt:

    family guy hat auch klasse, man muss nur offen dafür sein ;)

  8. Mariop sagt:

    “Die “Gags” sind total aus dem Zusammenhang gerissen.”

    aeh…das ist ja genau das was Family Guy so genial macht

  9. deine mutti sagt:

    Selten so einen flachen und völlig unbedeutenden Murks gelesen.

    Studiengang Medienkulturwissenschaften?
    …Na gute Nacht Marie.

    Völlig am Thema vorbei geschrieben – ein Armutszeugnis.

  10. SEM sagt:

    Zunächst einmal wie kann man sich denn Ernsthaft fragen ob Futurama eine Kopie der Simpsons ist? Das sind zwei völlig unterschiedliche Serien aber von EIN und demselben Autor. Parallelen sind sicher nicht ausgeschlossen, aber wieso sollte Matt Groening seine eigene Serie kopieren?

    Dann zu Family Guy und American Dad… Auch beide von ein und dem selben Autor… Seth MacFarlane. Auch hier sind zwar hin und wieder Überschneidungen, aber kopiert wird sicher auch nicht.

    Zu der Frage welcher Autor die Gags wo her hat, möchte ich mal eine Frage zum Nachdenken in den Raum werfen:

    Wieso gibt es wohl FamilyGuy Folgen in denen direkt auf die Simpsons eingegangen wird… Ich möchte an die Folge erinnern wo Glenn Quagmire und Marge Simpson unten durch das FOX Logo laufen, es dann offensichtlich außerhalb des Bildschirmrandes “krachen” lassen… Anschließend sogar das Haus der Simspons und die Stimmen aller zu hören sind, wo Glenn sie zumindest akustisch erschiest?

    Wieso gibt es wohl Folgen von South Park wo Simpsons mit rein geschrieben sind usw usw usw…

    Etwas derartiges habe ich bei den Simpsons noch nicht erlebt, ok vielleicht mag ich die ein oder andere Folge verpasst haben, bei über 20 Jahren die eine Serie schon läuft könnte das ja sehr gut sein.

    Es ist doch so, ich kann mir nicht vorstellen, dass Seth nicht ab und zu ein paar Gags mit einbaut die Matt sticheln sollen, aber das nennt man wohl Konkurrenz… Aber in den USA laufen beide Serien auf dem gleichen Sender (VOX) so dass es da weniger um die Konkurrenz der Sendezeit geht (wie hierzulande vielleicht), sondern darum Geld zu verdienen. Ich glaube nicht das beide Autoren geworden sind um “gutes” zu tun, sondern um damit Geld zu verdienen.

    Die Simpsons sind einfach ein Kult… Ein Meilenstein der Geschichte, aber ich gucke genau so gerne Family Guy, Futurama und American Dad. Ja selbst South Park ist nach 15 Jahren immer noch witzig.

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