Intermedialität in Avatar, eXistenZ und Die Unendliche Geschichte

Durch die stetige Entwicklung der, insbesondere digitalen und audiovisuellen, Medien im zwanzigsten Jahrhundert, wird die Differenzierung und Zuordnung von Medienprodukten, unter anderem durch die Hybridisierung der Medien, immer schwieriger und komplexer. Um sich diesem Phänomen zu nähern, führte die Wissenschaft den Begriff der Intermedialität ein. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Intermedialitätsbegriff wie Irina O. Rajewski ihn beschreibt und inwiefern dieses Phänomen der Medienwissenschaft in Filmen wie EXISTENZ, DIE UNENDLICHE GESCHICHTE und AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA zu finden ist.

Intermedialität

Intermedialität ist ein Begriff, der von vielen Medienforschern unterschiedlich definiert wird. Eine Definitionsmöglichkeit ist es, Intermedialität als “Mediengrenzen überschreitende Phänomene” zu beschreiben, “die mindestens zwei konventionell als distinkt wahrgenommene Medien involvieren”. Im Mittelpunkt steht dabei die Beziehung zwischen Medien. Die Art der Medienformen ist sehr manigfaltig, weshalb der Begriff Intermedialität sich potentiell auf jedes Medium beziehen kann.

Irina O. Rajewski sieht in der Intermedialität einen etablierten Oberbegriff der Medienforschung, der in viele weitere Ober- und Unterkateorien aufgeteilt werden kann. Rajewski unterscheidet außerdem in drei Subarten des Intermedialen.


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Als erstes führt sie die Medienkombinationen ein, welche ein Produkt zweier oder mehrere gleichzeitig präsenter Medien darstellt. Dieses Phänomen wird in der Medienwissenschaft oft auch als Multimedialität, Plurimedialität oder mixed media bezeichnet, was jedoch von einigen Medienforschern kritisiert wird. Als Beispiel für eine Medienkombination kann die Oper dienen. Sie ist ein Produkt aus Gesang, Musik und Tanz, wobei jedes Medium sowohl für sich, als auch in Zusammenspiel mit den anderen Medien, funktionieren kann.

Eine weitere Abgrenzug innerhalb des Feldes der Intermedialität bezeichnet Rajewski als Medienwechsel. Unter diesen Begriff fallen vor allem die Umarbeitungen von Kunstwerken, wie zum Beispiel Literaturverfilmungen. Dabei werden Inhalte eines Mediums auf ein anderes übertragen oder umgeschrieben, so dass sie der Absicht beziehungsweise der Intention des Autors, Regisseurs, Komponisten o.ä. oder aber auch des neuen Mediums entsprechen. Dabei ist weniger der Inhalt oder das Medium an sich, sondern der Prozess, der dazu führt, dass sich die alten Inhalte im neuen Medium wiederfinden lassen, als intermedial zu betrachten.

Als dritte Art der Intermedialität führt Rajewski den Begriff des intermedialen Bezugs auf, welcher ein Medium beschreibt, das wiederum auf mindesten ein weiteres Medium hinweist. Dabei bezieht sich ein Medium “auf ein bestimmtes Produkt eines anderen Mediums oder auf das andere Medium qua System bzw. auf bestimmte Subsystem desselben, also bestimmte Genres oder Diskurstypen, die konventionell den fraglichen Medien zugeordnet werden.” Entscheidend ist, dass es sich nicht um eine Verschmelzung zweier Medien handelt, sondern mit Hilfe eines Objekts oder Mediums ein neues Medium (re)präsentiert wird. Weiterhin ist hervorzuheben, dass “Medienprodukte in mehrfacher Hinsicht intermedial sein können”.

Intermedialität in EXISTENZ, DIE UNENDLICHE GESCHICHTE und AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA

Als Beispiel für ein intermediales Produkt ist der Film EXISTENZ zu nennen. Er verdeutlicht die Subkategorie der intermedialen Bezüge. Im Film betreten die beiden Hauptprotagonisten Alegra Geller und Ted Pikul eine, ihnen sehr real vorkommende, Spielwelt, in der sie Schmerz und andere körperliche Reaktionen spüren können. Als Schnittstelle zwischen Realität und virtueller Spielwelt fungiert eine aus Fleisch bestehende Konsole, die mit Hilfe eines so genannten Bio-Ports, welcher sich am unteren Rücken des Spielers befindet, mit dem Nervensystem verbunden wird. Der Zuschauer erhält somit die Information, dass die Protagonisten über die Konsole und den Bio-Port Zugang zum Spiel erhalten, womit die virtuelle Welt, das Medium Videospiel, über den ganzen Film hinweg repräsentiert wird. Als zusätzliche Herausforderung erhalten die Spieler im Spiel ebenfalls einen Bio-Port, was es sowohl den Protagonisten, als auch den Zuschauern schwer macht, zwischen Realität und Spiel zu unterscheiden. Der Film nutzt den intermedialen Bezug dazu, Verwirrung zu stiften und lässt am Filmende die Option offen, ob sich die Hauptdarsteller im Spiel oder der Realität befinden.

Ein weiteres intermediales Produkt ist der Film DIE UNENDLICHE GESCHICHTE. Er verdeutlicht sowohl die Subkategorie des Medienwechsels, als auch die des intermedialen Bezugs. Der Film basiert auf dem von Michael Ende verfassten Roman DIE UNENDLICHE GESCHICHTE. Darüber hinaus wurde das Buch von verschiedenen Medien, darunter Hörspiel, Theaterstück, Oper und Computerspiel adaptiert. Die Geschichte von Michael Ende hat seit seiner Veröffentlichung also einen vielfältigen Medienwechsel durchlebt. Weiterhin liest Bastian, Hauptcharakter der unendlichen Geschichte, ein Buch, welches es ihm ermöglicht in die Fantasiewelt Phántasien zu gelangen. Ähnlich wie die Konsole und der Bio-Port bei dem Film EXISTENZ, stellt das Buch die Schnittstelle bzw. den Zugang zu einer anderen Welt dar. Auch hier wird dem Zuschauer verdeutlicht, dass es sich bei dem Buch um ein Objekt handelt, welches ein anderes Medium (re)präsentiert und somit einen intermedialen Bezug zu einem anderen Medium herstellt.

Ebenso kann der Film AVATAR – REISE NACH PANDORA als Beispiel für ein intermediales Werk verwendet werden. Auch hier wird der intermediale Bezug dargestellt, indem Hauptprotagonist Jake Sully mit Hilfe einer Maschine eine Gedanken-Verbindung zu einem so genannten Avatar herstellt [Anmerkung des Autors: Avatare sind Wesen, die aus einer Kreuzug von menschlicher DNS und solche der Na’vi, den Bewohnern von Pandora, entstanden sind. Durch eine Gedanken-Verbindung mit Hilfe einer Maschine ist es dem Nutzer dieser Maschine möglich, sowohl geistige als auch körperliche Kontrolle über den Avatar zu erlangen. In AVATAR –REISE NACH PANDORA nutzt der Hauptprotagonist Jake Sully und zwei weitere Protagonisten diese Möglichkeit dazu, um das Volk der Na’vi besser kennen zu lernen und zu studieren). Die Maschine wird dabei als Verbindungsstück zwischen Avatar und Mensch genutzt.

Auch wenn sich Jake Sully mit seinem Avatar weiterhin in der Realität befindet, so ist der Avatar doch nur ein weiteres Medium, welches es ihm ermöglicht unter anderem die Mängel seines Körpers, eine ab der Hüfte abwärts bleibende Lähmung, zu kompensieren (Anmerkung des Autors: Hier wird der Begriff Medium nach dem Verständnis der anthropologischen Medientheorie verwendet, welche unter anderem von Marshall McLuhan und seinen Texten, darunter “The medium is the message”, geprägt wurde. Diese geht davon aus, dass der Mensch ein Mängelwesen ist und unter anderem durch Selbstamputation bzw. Auslagerung bestimmter technischer und nicht technischer Abläufe, Medien schafft). Darüber hinaus ist der Avatar bzw. die Machine, die es ermöglicht einen Avatar zu steuern, die Voraussetzung für einen vollständigen Eintritt in die Welt der Na’vi. Somit stellt auch der Avatar selbst ein Medium dar, welches es ermöglicht, weitere Medien, unter anderem die Sprache der Na’vi, kennen zu lernen. Durch die Beherrschung der Sprache und anderer ‘Inputs’ entwickelt sich der Avatar, und auch sein Nutzer, zu einer Medienkombination, die sehr komplex ist und dessen weitere Vertiefung nicht Bestandteil dieser Arbeit sein soll, jedoch als möglicher nächster Gedankenschritt aufgeführt werden soll.

Schluss

Intermedialität ist ein fester Bestandteil dieser und noch vieler anderer Filme. Besonders durch die Entwicklungsprozesse von Computer-Animationen, Motion Capture oder Ähnlichem bieten sich der Filmindustrie viele Möglichkeiten, Bezüge zwischen Medien herzustellen und in ihren Filmen zu nutzen und zu thematisieren. Auch die immer größer werdende Multimedialität der Gesellschaft unterstützt, fordert und setzt voraus, dass Intermedialität Teil der Medienprodukte ist und bleibt.


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Literaturverzeichnis

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Autor: Christian Kresse
Publikationssdatum: 11.05.2010
Publikationsort: Privat/Universität
Anmerkung: Dieser Text entstand als Hausarbeit im Zuge des “Basismodul 1: Einführung in die Medienkulturwissenschaft – Lektürekurs: Archiv Film” im Studiengang Medienkulturwissenschaften/Medienrecht 1-Fach-Verbund (BA) im 1. Fachsemester an der Universität zu Köln – Note: 1,3 – Bei Bedarf bin ich gerne bereit Interessenten die schriftliche Ausarbeitung im PDF-Format inklusive Fußnoten zukommen zu lassen. Anfragen bitte über die Kommentarfunktion äußern.

Kommentare

  1. Wolfgang bäcker sagt:

    guten Tag Herr Kresse,

    Da ich eine Magisterarbeit zur intermedialität im Videospiel schreibe, würde ich mich sehr über eine schriftliche Ausarbeitung ihrer Hausarbeit freuen.

    Liebe Grüße
    Wolfgang bäcker

  2. Peter Penjak sagt:

    Sehr geehrter Herr Kresse,

    ich schreibe gerade eine Studienarbeit über intermediale Selbstreflexion an der Universität Passau und würde gerne aus Ihrer Arbeit ein wenig zitieren. Können Sie mir bitte ein schriftliche Ausarbeitung Ihrer Arbeit als PDF per Mail zu kommen lassen?

    Herzlichen Dank im Voraus!

    MfG

    Peter Penjak

  3. edith sagt:

    Sehr geehrter Herr Kresse,

    ich schreibe eine Hausarbeit über intermediale im Film existenz und würde ich gerne aus Ihrer Arbeit ein wenig zitieren.

    Können Sie mir bitte ein schriftliche Ausarbeitung Ihrer Arbeit als PDF per Mail zu kommen lassen?

    Herzlichen Dank im Voraus!

  4. Anne-Marie sagt:

    Lieber Christian,

    ich finde deine Ausarbeitung echt klasse und super interessant. Hab mir gleich die von dir angegeben Bücher besorgt. Am spannendsten finde ich aber deine Erklärung an den Beispielen. Deshalb würde ich mich freuen, wenn ich deine Arbeit auch komplett lesen dürfte!!

    Viele Grüße
    Anne-Marie

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